Nolite iudicare secundum faciem, sed iustum iudicium indicate.  Joh 7,24                 Muna Urlau Inhaltsangabe: In der malerischen Hügellandschaft zwischen Leutkirch und Isny, verborgen im Urlauer Tann, liegt die Muna Urlau. Sie wurde zu Kriegsbeginn 1939 durch Zwangsverkäufe vom Deutschen Reich erworben und diente als Heeresmunitionsanstalt. Viele dienstverpflichtete Frauen und Mädchen mussten dort ebenso wie Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene Munition für den laufenden Krieg fertigen. Zum Kriegsende kam es beinahe zu einer Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes, als etwa 10000 Tonnen Kampfstoffmunition und die gleiche Menge herkömmlicher Munition auf Anordnung des Gauleiters Murr gesprengt werden sollten. Glücklicherweise konnte dies durch die mutige Taktik von Major Günther Zöller verhindert werden. Auch die Beseitigung der Munitionsbestände durch die französische Besatzungsmacht war ein gefährliches und oft tödliches Unternehmen und die in der Nordsee versenkten Kampfstoffe sind bis auf den heutigen Tag eine Bedrohung. In der neu entstandenen Bundesrepublik wird die Muna seit 1961 als wichtiges Munitionsdepot der Bundeswehr genutzt. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges in den 1960 er Jahren waren dort auch amerikanische Einheiten stationiert. Es ging die Angst um, dass Atomwaffen in der Muna stationiert seien. Nach mehreren Umstrukturierungsmaßnahmen wird das erfolgreich arbeitende Munitionsdepot Urlau zum Jahresende 2007 nun geschlossen. Eine fast 70 Jahre währende Militärpräsenz im Urlauer Tann geht damit zu Ende, eine neue Ära bricht an. 204 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 21x22 cm, 2.Auflage 2007 ISBN 978-3-00-022748-6, Euro 15,00 zuzüglich Versandkosten           Der Arbeitskreis Munitionsanstalt Urlau AkMU Wir vom AkMU gehören alle der Nachkriegsgeneration an, die teilweise noch durch eigenes Erleben, aber auch durch die Berichte von Eltern und Bekannten mit den Ereignissen um die Muna Urlau konfrontiert worden ist. Wir sind offen für neue Mitarbeiter. Wir haben es uns zur Aufgabe gestellt, das Geschehen um die Muna  in seinen verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und zu dokumentieren und damit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dabei legen wir besonderen Wert auf historische und heimatgeschichtliche Inhalte.  Bei unserer Arbeit sind wir auf die Unterstützung von ehemaligen Beschäftigten, Zeitzeugen, Behörden und Archiven angewiesen, denen wir eine vertrauensvolle Zusammenarbeit garantieren. Das Buchprojekt Die Gefahr am Kriegsende 1945 Landespreis für Heimatforschung Gedenkstein für Günther Zöller Das Buchprojekt Die Gefahr am Kriegsende 1945 Wie die Lage am Kriegsende war wird im folgenden Auszug aus einem  Zeitschriftenartikel des AkMU beschrieben.´(erschienen in:  Im Oberland Heft 1/2004 ISSN 0939-8868) Nach unseren derzeitigen Kenntnissen war zu Beginn des Jahres 1945 ein Bestand von etwa 40 Munitionszügen an Kampfstoffmunition in der Muna Urlau eingelagert, was einer Gesamtmenge von 18000 bis 20000 t entspricht. Davon entfiel nur ein kleiner Bruchteil auf den eigentlichen Kampfstoff (überwiegend Giftgase). Der Vorgänger von Major Zöller, Hauptmann Müller, bereitete ab Mitte Februar 45 die Muna zur Sprengung vor, was mit dem Amtsantritt von Major Zöller am 1. März 45 abgeschlossen war. Außerdem wurde an die Bevölkerung von Urlau Gasschutz ausgegeben: Volksgasmasken für die Erwachsenen, Gasbettchen für die Säuglinge und Gasjäckchen für die Kleinkinder. Nachdem ab dem 7. März die alliierten Truppen über den Rhein vordrangen, erging alsbald der von Hitler erlassene Befehl „Verbrannte Erde“, in dessen Ausführungsbestimmungen die Zerstörung von Kampfstoffmunition ausdrücklich untersagt wurde, da dies von den Alliierten als Kampfstoffeinsatz von deutscher Seite hätte gedeutet werden können. Für die Kampfstoffe war ein Abtransport in Richtung Nord- bzw. Ostsee vorgesehen. Dementsprechend wurden von Major Zöller ab Mitte März etwa 20 Züge mit Kampfstoffmunition abtransportiert, wobei befehlsgemäß vorwiegend die "modernen" Kampfstoffe Sarin, Tabun, Phosgen, Adamsit und Lost abzutransportieren waren, was vermutlich auch geschehen ist.  Von einer Einlagerung von Kampfstoffmunition aus anderen Munitionsanstalten zu diesem Zeitpunkt ist uns - abgesehen von einer kleinen Menge aus der Muna Straß bei Ulm - nichts bekannt.Das Problem bei einer Sprengung der konventionellen Munition, entsprechend dem Befehl "Verbrannte Erde", bestand darin, dass auch die in Lagerschuppen und Freistapeln gelagerte Kampfstoffmunition davon betroffen gewesen wäre und es zu einer Freisetzung von Giftgas gekommen wäre. Major Zöller befand sich nun in einem Konflikt zwischen der Erfüllung dieses Befehls und der Verhinderung der damit verbundenen Giftgaskatastrophe. Nachdem er von Gauleiter Murr, der als Rüstungskommissar Einfluss auf das Geschehen in der Muna hatte, mehrmals unter Todesdrohung zur Sprengung aufgefordert worden war, wählte er den Weg des hinhaltenden Widerstandes und der kampflosen Kapitulation. Der französische Vormarsch erreichte am 24. April Biberach, geriet aber hier ins Stocken und wurde erst am 28. April weitergeführt. Diesen Zeitraum musste Zöller nun mit seiner Taktik überbrücken. In Absprache mit dem Urlauer Pfarrer, Dekan Dr. Willburger, ließ er zum Schein ab dem 23. April Sprengtermine verbreiten, die nicht eingehalten wurden. Ab dem 25. April entließ er seine Angestellten und die Kriegsgefangenen und behielt nur eine kleine Mannschaft von 4 Soldaten, einem Sanitätsunteroffizier und dem Toxikologen Dr. Friedrich Jung, der seit Anfang April 45 an die Muna abgeordnet war. Außerdem verstand er es, taktische Gründe für das Verschieben der Sprengung zu schaffen: Noch am 27. April ließ er vom Volkssturm aus Leutkirch einen Munitionszug zur Versorgung der näherrückenden Front beladen, der am Abend dieses Tages der Reichsbahn in Leutkirch zur Weiterleitung Richtung Kempten übergeben wurde. In einer Meldung an das Armee-Oberkommando 19 , das sich nach Reutte zurückgezogen hatte, berichtet er am Morgen des 28. April von der Abfahrt des Zuges und schreibt: “Auf Befehl des Kommandeurs der 405. Div., General Faulenbach, wurden die zur Sprengung vorbereiteten Teile der Heeresmunitionsanstalt aus taktischen Gründen nicht gesprengt.“ Die Meldung erreichte aber nie ihren Adressaten, sondern landete in einem Urlauer Gartenhaus.Als an diesem Tag gegen 15 Uhr der Einmarsch der französischen Truppen in Leutkirch gemeldet wurde, war der Zeitpunkt für die Übergabe der Muna gekommen. Zöller schickte als Parlamentär Dr. Jung mit dem Fahrrad und einer weißen Fahne zu Übergabeverhandlungen nach Leutkirch. Die Kapitulation wurde nach den Regeln der Genfer Konvention angenommen und erfolgte gegen 16 Uhr. Somit war die unmittelbare Gefahr für die umliegenden Gemeinden zunächst gebannt. Landespreis für Heimatforschung 2008 Das Land Baden-Württemberg hat dem AkMU als Anerkennung der herausragenden Leistung für die Heimatforschung den 2. Landes-Preis des Jahres 2008 zuerkannt. Bilder von der Preisverleihung durch den Herrn Kultusminister Rau in Ulm Gedenkstein für Günther Zöller Die Stadt Leutkirch ehrte 1995 die mutige Tat von Günther Zöller im Rahmen einer Feierstunde in der Dorfhalle in Urlau. Auf Anregung des Künstlers Uwe Gorzalka und des AkMU wurde aus Anlaß seines 100. Geburtstages beim Haupteingang zum ehemaligen Munitionsdepot  im Rahmen einer Feierstunde ein Gedenkstein enthüllt. Bilder von der Denkmaleinweihung